Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Pressebericht vom 17. September 2000 +++

ödp für Erhalt des Interregio

Starke Kritik an Plänen der Deutschen Bahn AG

Entrüstet über die neuesten Pläne der Deutschen Bahn AG, die Interregio-Verbindung Ulm-Friedrichshafen-Lindau künftig aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen bis auf ein Zugpaar täglich zu streichen bzw durch Nahverkehrszüge zu ersetzen, zeigte sich die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) auf ihrem letzten Treffen in Friedrichshafen.

Wenn diese Ankündigung von der Bahn verwirklicht wird, so die stellvertretende Kreisvorsitzende Annedore Schmid, wird die ganze Bodenseeregion vom Schienenfernverkehr abgehängt. Während bundesweit nur" ein von zehn Fernverbindungen gestrichen werden sollen, sind es im Bodenseekreis sieben von acht Verbindungen! Der eine dann noch verbleibende Interregio pro Tag ist gegen alle Erfahrungen der letzten Jahre, die deutlich gemacht haben, wie wichtig eine flächendeckende Vertaktung des gesamten öffentlichen Verkehrs ist - vom ICE bis hinunter zum Nahverkehrszug und Bus. Isolierte Verbindungen - einmal täglich von A nach B, einmal wöchentlich von C nach D - wurden in der Vergangenheit vom Kunden nicht angenommen - und werden es wohl auch künftig nicht. In den Augen der ödp ist es folglich nur noch eine Frage der Zeit, bis dann auch der letzte Interregio auf der Strecke gestrichen wird - es sei denn, er soll als Alibi dafür erhalten bleiben, dass die Bahn Friedrichshafen auch künftig nicht vergessen wird.

Die nachteiligen Folgen dieser Entwicklung können auch durch den verstärkten Einsatz von Nahverkehrszügen nicht ausgeglichen werden, denn diese können den wegfallenden Interregio nicht gleichwertig ersetzen: sie bieten deutlich weniger Komfort. Das macht sich nicht nur beim fehlenden Bistro bemerkbar. Die größere Anzahl von Haltestellen erhöht die Unruhe beim Aus- und Einsteigen. Es fehlt die flexible Raumaufteilung des Interregio, in der sich große Reisegruppen ebenso wie Familien und Einzelreisende wohlfühlen können. Außerdem bedeuteten sie in der Regel auch häufigeres Umsteigen, was besonders für Alte, Behinderte, Familien mit kleinen Kindern und Kinderwagen oder auch für Reisende mit viel Gepäck, wie Touristen, von Nachteil ist. Damit verliert die Bodenseeregion, eines der bedeutendsten deutschen Urlaubsgebiete, bei den Bahnreisenden erheblich an Attraktivität, was sich wohl auch auf die Übernachtungszahlen auswirken wird. Gleichzeitig wird damit ein Umstieg von der Bahn auf die Straße gefördert, wie die Häfler Ortsvorsitzende Sylvia Hiss befürchtet: Die jetzt schon, besonders zur Hauptreisezeit, überfüllten Straßen werden dann noch voller, so dass dann wohl künftig auch der Ruf nach neuen und breiteren Straßen wieder zunehmen wird." Die damit möglicherweise in Gang gesetzte Entwicklung steht in Wderspruch zu den zaghaften Ansätzen der Bundesregierung in Richtung auf eine Verkehrswende hin zu den umweltverträglicheren öffentlichen Verkehrsmitteln. Die ödp hält deshalb ein Eingreifen des Bunds als Eigentümer für unverzichtbar.

Die ödp weist weiter darauf hin, dass ein Betrieb, der wie die Bahn beim Schienenfernverkehr eine Monopolstellung besitzt, auch eine große Verantwortung trägt für das Wohl der Allgemeinheit und zur Deckung des Grundbedarfs. Dieser ist aber durch mehr Nahverkehr nicht abgedeckt.