Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Pressebericht vom 18. März 2006 +++

Erneuerbare Energien - Ausweg von Öl und Gas als Chance für die Zukunft

Eberhard Luedecke, langjähriger Leiter des Arbeitskreises Enegie, über die Energiequellen der Zukunft

“Wir hängen an ausländischer Energie wie Junkies an der Nadel.“ So beschreibt Eberhard Luedecke, der zehn Jahre lang den Arbeitskreis Energie im Bodenseekreis geleitet hat, unsere derzeitige Situation im Energiesektor. Neben dieser starken Importabhängigkeit sprechen auch Klimaschutzgründe und die Begrenztheit der Öl- und Gasvorkommen für einen raschen Umbau unserer Energierversorgung. Dass dies auch möglich ist, machte er auf seinem Vortrag „Erneuerbare Energien - Ausweg von Öl und Gas als Chance für die Zukunft“ deutlich, zu dem die Ökologisch-Demokratische Partei (ödp) in den Dorfkrug nach Friedrichshafen eingeladen hatte. Es liegt an uns allen, ob wir den Wechsel zu einer nachhaltigen Energiewirtschaft rechtzeitig einleiten und abschließen.



Auf dem Bild sind links Sylvia Hiß und rechts Eberhard Luedecke

Unsere fossilen Energiereserven reichen noch für wenige Jahrzehnte. „Kinder, die heute in die Schule gehen, werden den Zeitpunkt noch miterleben, an dem diese Vorräte zu Ende gehen“, ist Luedecke überzeugt. Daran kann auch die Entdeckung neuer Lagerstätten nichts grundsätzlich ändern, sondern bestenfalls den Zeitpunkt um wenige Jahrzehnte nach hinten verschieben. „Bevor die fossilen Energieträger zu Ende gehen, haben wir die Klimakatastrophe. Bevor wir die Klimakatastrophe haben, gibt es Kriege um die letzten Reserven an fossiler Energie. Die Kriege in Kuwait und Irak waren erst der Anfang. Bevor es weltweit Kriege wegen fossiler Energiereserven gibt, wird Energie, insbesondere fossile Energie so richtig teuer, dass es weh tut.“ Dieses düstere Zukunftsszenario lässt sich nach übereinstimmender Auffassung von Eberhard Luedecke und der Ökologisch-Demokratischen Partei nur noch dann abwenden, wenn wir heute die Weichen hin zu einer von Erdöl und Gas unabhängigen Energieversorgung stellen. Die Richtung, in welche diese Entwicklung gehen muss, ist bekannt, die technischen Möglichkeiten dafür sind heute bereits weitgehend vorhanden, auch wenn in Zukunft noch viel Forschungs- und Entwicklungsaufwand in die Optimierung der Systeme investiert werden muss.

Als Ersatz für fossile Energieträger bieten sich die fünf regenerativen Energiequellen Sonne, Wind, Wasser, Biomasse und Geothermie an und als sechste „Energiequelle“ Energiesparen. Davon ist in Deutschland allein die Wasserkraft weitgehend ausgereizt. Alle anderen genannten Bereiche bieten noch erhebliche Ausbaupotentiale, wobei in unserer Region die Nutzung der Windenergie naturgemäß eine untergeordnete Rolle spielt und auch künftig spielen wird. In seinem zweistündigen Vortrag zeigte Luedecke nicht nur auf, wie unser Energiesystem der Zukunft aussehen kann, ja aussehen muss. Er informierte auch über die Möglichkeiten, die sich jedem einzelnen von uns schon heute bieten, etwas zur Lösung der Energieprobleme beizutragen, und das vielfach bereits ohne Mehrkosten, ja teilweise sogar mit Kosteneinsparungen verbunden. So kostet ein Kilogramm Holzpellets, das dem Heizwert von etwa einem halben Liter Heizöl entspricht, nur 16 Cent und ist somit deutlich billiger als der konventionelle Brennstoff. Auch Sonnenkollektoren, Solarzellen oder Biosprit sind heute, nicht zuletzt durch steuerliche Förderung, zu einer ernsthaften Alternative für umweltbewusste Energieverbraucher geworden. Größtes Sparpotential bietet in den meisten Fällen, ganz besonders im Bereich Raumheizung, der Einsatz von Energiespartechniken wie eine gute Wärmeisolierung.Und auch durch eine einfache Änderung des Verhaltens lassen sich beträchtliche Energiekosten einsparen, besipielsweise durch eine leichte Absenkung der Raumtemperatur: nach einer Faustregel führt ein Grad weniger zu einer Ersparnis von sechs Prozent.

Bleibt zum Schluss die Frage: Warum wird trotz dieser Argumente bisher so wenig getan? Darauf hat Luedecke eine eindeutige Antwort: „Energie ist wohl noch zu billig. Sie muss teurer werden, der Preis muss weh tun, damit es interessant wird, Energie einzusparen.“ Eine „Steuerreform für Arbeit und Umwelt“, wie sie die ödp seit langem fordert, wäre ein Weg, dieses Ziel zu erreichen.