Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Leserbrief vom 23. Juli 2013 +++

Zur Diskussion um die Rente

Mini-Rente für Mütter vor '92

Ich bin gerne Mutter von 3 Kindern. Früher war ich 12 Jahre gerne Lehrerin an bayer. Hauptschulen. 400 km weg. Heirat. Keine Versetzung. Aus. Wir Mütter vor '92 waren gern Mutter, zweimal, dreimal, viermal. Wir hatten keinerlei Möglichkeit, das Kind "weg zu geben". Es gab keine Krippen für Kinder unter 4 oder Tagesmütter! Wir blieben zu Hause, ob Beamtin, Sekretärin, Verkäuferin, Erzieherin oder Redakteurin. Wir konnten unsere Babys 1 Jahr stillen, genießen, selbst versorgen, aber... Wir konnten nicht selbst in die "Rente einzahlen" (ich tat's freiwillig: 90 € monatlich ab 1994,) ...schon gar nicht, wenn dem ersten Kind Geschwister folgten. Wir kannten es nicht anders. Den Kindern tat es gut. "Geschwister+Mama" waren normal. Ein Zuhause mit Menschen. Heute bekommen wir 300-500 € Rente. Je nachdem, wie lange wir vor den Geburten "arbeiteten", 3 Kinder großziehen bis zum Uni-Examenist ja keine Arbeit! Wenn "vor 92" geboren, bekommen wir für die Rente nur 1 Jahr pro Kind anerkannt. Die nach uns dann je 3 Jahre! Gerecht?? Wir "alten Mütter" haben nun Nachteile: Zu wenig Rente, Armutsrisiko, wenn die Ehe nicht hält oder man Alleinerziehende war. Die " nach 92-Mütter" stellen sich besser, sie hatten aber bereits viel mehr Krippenangebote. Sie konnten berufstätig sein und eigene Rentenbeiträge einzahlen. Un-gerecht. Klar. Wir aber sind jetzt 65. Und halten still. Nicht immer. Wahlkampf. Jetzt trommeln sie wieder. Alle Parteien schreien. Was hilft's uns? Wenigstens haben wir schöne Erinnerungen an die Kindheit unsrer Kinder. Aber am liebsten ginge ich auch demonstrieren. Wie die Beamten für ihre Lohnerhöhung. "Wir sind es wert" steht auf ihren Demo-Plakaten. Wir auch.

Gerdi Spengler
Eriskirch
Mitglied im ödp-Kreisvorstand