Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Pressebericht vom 10. Mai 2019 +++

5G-Mobilfunk und seine gesundheitlichen Gefahren

EU-Abgeorfneter Prof. Dr. Buchner zu Gast

„5G-Mobilfunk und seine gesundheitlichen Gefahren“ - zu diesem Vortrag hatte die Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP) in das Hotel Goldener Hirsch nach Friedrichshafen eingeladen. Der Referent des Abends, Prof. Dr. Klaus Buchner, ist seit 2014 für die ÖDP Mitglied des Europäischen Parlaments und ist dort Mitglied der Fraktion Grüne/Europäische Freie Allianz


Prof. Dr. Buchner

Zuvor berichtete er aber über seine Arbeit in Brüssel. Ein Schwerpunkt war dort in den letzten fünf Jahren die kritische Auseinandersetzung mit den von der EU mit anderen Wirtschaftsräumen ausgehandelten Freihandelsabkommen wie CETA (EU - Kanada) und JEFTA (EU - Japan)., die er jeweils bis zum Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe führte: Bei CETA war er Erstkläger, bei JEFTA einer von zwei Hauptklägern. Wobei Buchner nicht prinzipiell gegen derartige Handelsverträge ist, aber viele der mit den konkreten Verträgen vereinbarten Regelungen, z.B. die Einschränkung von Demokratie und Souveränität, die Einsetzung von Schiedsgerichten oder Einschränkungen von Umweltschutz und Sozialgesetzgebung als inakzeptabel ablehnt. Wie berechtigt solche Bedenken sind, konnte er den zahlreichen Zuhörern mit einigen konkreten Beispielen aus vergleichbaren Verträgen eindrucksvoll belegen.

Das Thema Freihandelsabkommen war zwar ein Schwerpunkt seiner Arbeit, aber nicht das einige Gebiet seines Wirkens als EU-Abgeordneter. Und seine Erfolgsbilanz kann sich durchaus sehen lassen: Er war verantwortlich für die Gesetzgebung zur Exportbeschränkung von Überwachungstechnik (gegen zahlreiche Widerstände), war maßgeblich am Verbot (mit Ausnahmen) von Früh- und Kinderehen beteiligt und hat erfolgreiche Initiativen für den Frieden im Iran und in der Westsahara sowie mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof zur Überwachung von Tiertransporten mitgetragen. Weitere Projekte, an denen er zur Zeit arbeitet, sind die Forderung nach einer sofortigen Agrarwende, Verbesserung der Rahmenbedingungen für erneuerbare Energien und einen strahlungsarmen und gesundheitlich unbedenklichen Mobilfunk. Damit war Buchner beim zweiten Teil seines Vortrags angelangt.

Nicht nur Mobilfunk der 5. Generation ist ein Problem, so Buchner, sondern auch schon der aktuelle Standard 4G sowie Schnurlostelefone, WLAN, Bluetooth oder der Behördenfunk Tetra. All dies sendet schädliche Strahlen aus und beeinträchtige dadurch die Gesundheit der Menschen. Prof. Buchner nannte als Beispiele Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Tinnitus oder Gedächtnisstörungen. Ein nicht zu unterschätzender Teil der Bevölkerung reagiere sensibel darauf. „Es handelt es sich nicht um ein Problem von einigen wenigen, sondern um eine Volkskrankheit, die Millionen Menschen betrifft“, so der Europaabgeordnete.

„Studien haben die Schädlichkeit der Strahlen mittlerweile eindeutig belegt“, erklärte Prof. Buchner. So hat etwa die Europäische Umweltagentur wiederholt vor der Funkstrahlung gewarnt. Diese erhöht die Anzahl der Freien Radikale in den Zellen, die die Erbsubstanz im Körper angreifen. Außerdem sind Kälberblindheit, eine verringerte Milchleistung der Kühe, Fruchtbarkeitsstörungen und Missbildungen bei jenen Tieren nachgewiesen, deren Ställe sich in der Nähe von Funkmasten befinden. „Beim Menschen, die längerfristig Funkstrahlen ausgesetzt sind, haben Studien die Steigerung der Krebsgefahr bewiesen“, so der Europaabgeordnete.

Die „5. Generation“ des Internets 5G ist noch problematischer als ihre Vorgänger. Meistens hat man noch höhere Strahlungsintensitäten. Für die selbstfahrenden Autos sind entlang aller Straßen Funkstationen im Abstand von 100 bis einigen 100 Metern geplant, die eng gebündelte Strahlen großer Intensität senden. Dadurch wird die Strahlenbelastung erheblich ansteigen. Außerdem ist mit 5G eine weitgehende Überwachung auch der Privatsphäre möglich. Vernetzte Haushaltsgeräte verstrahlen den Wohnraum und senden persönliche Daten an Unternehmen und Datenhändler.

Prof. Buchner betonte in seinem Vortrag, dass er den Menschen das Handy nicht verbieten wolle. Vielmehr setzt er sich für einen Mobilfunk ein, der die Menschen nicht belastet. Das sei technisch möglich. „Der Europarat schlägt einen Grenzwert von 100 Mikrowatt pro Quadratmeter vor, was ein Hunderttausendstel des derzeit in Deutschland gültigen Grenzwertes ist. Das reicht aus für ein funktionsfähiges Mobilfunknetz“, so der Europaabgeordnete. Denselben Grenzwert hat das EU-Parlament schon früher empfohlen. In Luxemburg und der Toskana gelten heute schon Grenzwerte, die weit unter den deutschen liegen. Die Kosten für die Umstellung waren dort so gering, dass sie die Wirtschaftlichkeit des Betriebs nicht beeinträchtigt haben.

Um die Gefahren durch Funkstrahlen zu verringern, rät Prof. Buchner dazu, beim Telefonieren Headsets zu benutzen und Handygespräche nur bei gutem Empfang zu führen. „Das Mobiltelefon sollte nicht angeschaltet in der Hosentasche mitgeführt werden“, empfiehlt der ÖDP-Politiker. Im Auto sollte man das Gerät ausschalten. Den Gebrauch von Schnurlostelefonen in Wohnungen und Büros sollte man möglichst ganz vermeiden.