Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Pressebericht vom 22. Oktober 2012 +++

Rentenniveau sinkt seit Jahren - Politik daran nicht unschuldig

Mitarbeiter der Deutschen Rentenversicherung informieren über das Thema "Rente"

Drohende Armut im Alter, Mindestrente, private Vorsorge - das Thema Rente ist zur Zeit in aller Munde. Informationen aus erster Hand und berufenem Munde haben die Besucher einer Informationsveranstaltung erhalten, zu der der Kreisverband Bodenseekreis der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) eingeladen hatte.



Auf dem Bild sind von links nach rechts die stellvertretende ÖDP-Kreisvorsitzende Sylvia Hiß-Petrowitz, Sylvia Krause, Thomas Ritter (beide von der Deutschen Rentenversicherung) und die ÖDP-Kreisvorsitzende Annedore Schmid

Die beiden Referenten, Thomas Ritter und Sylvia Krause vom Regionalzentrum Ravensburg der Deutschen Rentenversicherung, kennen sowohl die gesetzliche Lage und aktuelle Statistiken als auch die persönliche Situation Einzelner durch ihren täglichen Kontakt mit den direkt Betroffenen.

Aktuelle Statistiken zeigen ein nachdenkliches Bild: So lag 2011 das durchschnittliche Rentenniveau nach 45 Beitragsjahren nur noch bei ca. 50% des Durchschnittsgehalts (netto vor Steuern) - nach 55 % 1990 - mit weiter fallender Tendenz. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung werden nach aktuellen Prognosen 2040 auf einen Rentner noch 1,9 Beitragszahler kommen, nach 4,13 im Jahr 2000. Immer weniger Arbeitnehmer wechseln direkt aus einem beitragspflichtigen Beschäftigungsverhältnis in den Rentenstand, die meisten (55 %) waren vorher arbeitslos oder wechseln aus dem Krankenstand. Laut einer ISA-Studie ist Deutschland außerdem mit Abstand Schlusslicht bei der Wiedereingliederung in das Erwerbsleben nach längerer Pause beispielsweise wegen eines Rückenleidens - mit allen negativen Folgen für das Rentenniveau.

Auch wenn die Rentenversicherung hier teilweise helfen kann (z.B. bei der Finanzierung orthopädischer Hilfen oder von ReHa-Maßnahmen) rät Ritter allen Berufseinsteigern, privat vorzusorgen, sowohl mit dem Abschluss einer Versicherung gegen Erwerbsunfähigkeit als auch mit dem Aufbau einer privaten Altersvorsorge.

Mit der Verkürzung der Anrechnung von Schulzeiten um ein Jahr und der Anhebung der Altersgrenze hat die Politik nach Auffassung der beiden Rentenexperten ihren Teil dazu beigetragen, dass sich die finanzielle Situation von Rentnern in Zukunft weiter verschlechtern wird. Neue Denkansätze wie die aktuell diskutierte Zuschussrente (auf 850 €) reichen nicht aus, um die Situation nachhaltig zu verbessern. Ritter und Krause fordern weitergehende Maßnahmen wie die steuerliche Finanzierung aller versicherungsfremden Leistungen und eine spürbare Anhebung der Freigrenzen für Hinzuverdienste. "Hier muss einfach etwas passieren", fasste Ritter seine Position zusammen, und stieß damit auf volle Zustimmung unter den Zuhörern.