Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Pressebericht vom 19. September 2011 +++

Stuttgart 21 - wichtiges Bahnprojekt oder ...?

ÖDP informiert über das umstrittene Projekt

Wer die zahlreichen Argumente gegen Stuttgart 21 gehört hat, der kann die Haltung der Befürworter dieses Projektes nur noch schwer nachvollziehen. So erging es zumindest den Besuchern einer Informationsveranstaltung zum Thema „Stuttgart 21 - wichtiges Bahnprojekt oder ...?“, zu der die Kreisverbände Bodenseekreis und Ravensburg der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) ins Schloß nach Meckenbeuren-Brochenzell eingeladen hatten. Für eine Fahrtzeitverkürzung von wenigen Minuten, so der Referent Stefan Zorell aus Grünkraut, werde eine Vielzahl teils gravierender Nachteile in Kauf genommen.




Auf dem Bild sind von links nach rechts: die stellvertretende Kreisvorsitzende Sylvia Hiß-Petrowitz, der Referent Stefan Zorell und die stellvertretende Kreisvorsitzende vom KV Ravensburg Christa Gnann

So binde das Projekt auf viele Jahre erhebliche finanzielle Mittel, die voraussichtlich die geplanten bzw. öffentlich genannten Kosten noch deutlich übersteigen werden. Die ersten negativen Auswirkungen dieser Konzentration der öffentlichen Gelder auf den Raum Stuttgart seien mittlerweile bereits in unserer Region spürbar, wie die vor kurzem bekannt gewordenen Pläne für eine Aufschiebung der Elektrifizierung der Südbahn belegen - auch wenn offiziell jeder Zusammenhang mit Stuttgart 21 bestritten werde.

Heutige Züge werden in den unterirdischen Bahnhof nur nach kostspieliger Umrüstung einfahren können - Dieselzüge überhaupt nicht mehr. Aufgrund der Beschränkung auf acht Gleise - die nachträglich nur schwer zu korrigieren sei - und des Wegfalls der heute noch möglichen Ein- und Ausfahrt in den Bahnhof auf drei kreuzungsfreien Ebenen sei künftig damit zu rechnen, dass Verspätungen einzelner Züge in viel stärkerem Maße als heute an andere Züge weitergereicht werden. Ein integraler Taktfahrplan - und darüber seien sich alle Experten einig - ist mit Stuttgart 21 nicht mehr durchsetzbar. Und gerade dieser sei für die Fläche wichtiger als Spitzengeschwindigkeiten von über 200 Stundenkilometern - zumal solch hohe Geschwindigkeiten aufgrund des hohen Energieverbrauchs völlig unökologisch und damit in Zeiten eines sich anbahnenden Bewusstseinswandels nicht mehr angebracht seien. Weitere Nachteile wie etwa das wenig fahrgastfreundliche starke Gefälle der Bahnsteige oder die dauerhaft (also nicht nur in der Bauphase) bestehende Grundwasserproblematik stärken die ÖDP in ihrer ablehnenden Haltung diesem Projekt gegenüber.

Für die ÖDP ist es deshalb erheblich sinnvoller, Stuttgart 21 fallen zu lassen und die eingesparten Mittel in die flächendeckende, für die gesamte Bevölkerung in Baden-Württemberg Vorteile bringende, Verbesserung des Öffentlichen Personen- und Güterverkehrs zu stecken. Dies sei dringend nötig, wenn das Ziel, Verkehr verstärkt auf Schiene und Bus zu verlagern, wirklich ernsthaft angestrebt werde, denn „ein öffentlicher Personennahverkehr, der sich rentiert, funktioniert nicht. Man muss dafür Geld in die Hand nehmen“.

Warum halten dann die großen Parteien immer noch an diesem Vorhaben fest? Auch dafür hatte der Referent des Abends eine plausible Erklärung: Nach seinen Worten handelt es sich bei Stuttgart 21 nur vordergründig in erster Linie um ein Verkehrsprojekt. In Wirklichkeit gehe es vielmehr um ein gigantisches Immobilienprojekt, nämlich um die Gründung eines neuen Stadtviertels in bester Innenstadtlage.