Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Pressebericht vom 5. März 2012 +++

Diakon Wolfgang Stockburger zu Gast bei der ÖDP

Der Leiter des katholischen Sozialdiakonats berichtet über seine Arbeit - Wachsende Kluft zwischen arm und reich beklagt

Zwischen 800 und 1000 Bürger suchen Jahr für Jahr Hilfe bei Diakon Wolfgang Stockburger im katholischen Sozialdiakonat Friedrichshafen - Menschen, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht in der Lage sind, aus eigener Kraft für ihren Lebensunterhalt oder den ihrer Kinder aufzukommen. Stockburger kennt aufgrund seiner Arbeit die (häufig versteckte) Armut in Friedrichshafen besser als jeder andere. Und er nimmt die Betroffenen vor einem weit verbreiteten Vorurteil in Schutz: Nicht sie selbst seien in der Regel Schuld an ihrer Lage, die Ursache dafür sieht er vielmehr in strukturellen, vom Einzelnen nicht zu beeinflussenden Problemen wie der immer weiter auseinander klaffenden Schere zwischen arm und reich, an der die Politik nicht völlig schuldlos sei - eine Behauptung, die auf Seiten der Ökologisch-Demokratischen Partei (ÖDP) nicht auf Widerspruch stößt, deckt sie sich doch mit ihrer eigenen Position. Stockburger war auf Einladung des Kreisverbandes der ÖDP in den Schloßgarten nach Friedrichshafen gekommen, um über seine Arbeit zu berichten.


W. Stockburger

Bild: Annedore Schmid und Wolfgang Stockburger

Wolfgang Stockburger ist Leiter des katholischen Sozialdiakonats Friedrichshafen, einer wichtigen Anlaufstelle für Mitbürger in unterschiedlichen Notsituationen. Diese kämen mittlerweile aus allen Bevölkerungsgruppen, 80 bis 90 Prozent von ihnen hätten Arbeit, auch in Vollzeit, doch von ihrer Arbeit könnten immer mehr Menschen nicht leben - eine Entwicklung, die sich in den letzten Jahren zunehmend verstärkt habe. Schon die kleinste außerplanmäßige Belastung, wie beispielsweise eine hohe Mietnebenkostenabrechnung zum Jahresanfang, könne diese Menschen in eine Notlage bringen. Eine Teilnahme am gesellschaftlichen Leben sei für viele von ihnen gänzlich ausgeschlossen.

Stockburger bedauert, dass die maßgeblichen politischen Kräfte dieses Landes diese Problematik immer noch nicht entscheidend bekämpfen würden, sondern vielmehr versuchten, das schwierige Thema mit allerlei Tricks zu überspielen. „Wir sind gefangen in einem riesigen System“, so Stockburger, „Zunehmend bestimmt das Kapital und nicht mehr die Politik. Diese reagiert nur noch, anstatt selbst das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen“ Der globale Kapitalfluss sei nicht mehr kontrollierbar. Die Politik könne nur noch Rahmenbedingungen so gestalten, dass das Kapital zu uns fließt.

Friedrichshafen hätte durch die Zeppelinstiftung die Chance, dieser Entwicklung zumindest auf lokaler Ebene entgegenzuwirken - wenn die Stadt die Mittel dieser Stiftung auch wirklich im Sinne des Stifters einsetzen würde, nämlich für „wohltätige und mildtätige“ Zwecke. Leider habe die Stadt die Satzung der Stiftung soweit abgeändert, dass damit jetzt stattdessen Gemeindeaufgaben wie Kindergärten oder Prestigeprojekte wie die Zeppelin-Universität finanziert würden

Solange von politischer Seite der zunehmenden Verarmung breiter Gesellschaftsschichten nicht wirksam gegengesteuert werde, bleibe auch in Zukunft nur der beschrittene Weg, über Spenden den finanziellen Spielraum zu schaffen, um zumindest in den akutesten Notlagen eine Hilfe anbieten zu können. Dazu hat auch die ÖDP mit einer Spende beigetragen, die sie an diesem Abend Wolfgang Stockburger überreicht hat.