Kreisverband Bodenseekreis

 

+++ Pressebericht vom 24. Mai 2003 +++

Flüchtlinge in unserer Stadt

Über die Situation von Asylbewerbern in Friedrichshafen

Wie leben "Flüchtlinge in unserer Stadt"? Einen Einblick in die Situation von Asylbewerbern in Friedrichshafen erhielten die Besucher einer gleichnamigen Informationsveranstaltung der Ökologisch-Demokratischen Partei (ödp) im Häfler Schloßgarten. Dort berichteten die beiden Mitarbeiterinnen des Arbeitskreis Asyl Gudrun Schmidt und Anne Kuypers aus eigener Erfahrung über die Situation der Flüchtlinge.



(Auf obigem Bild sind von links nach rechts: die ödp-Kreisvorsitzende Sylvia Hiss, Gudrun Schmidt und Anne Kuypers vom Arbeitskreis Asyl und die stellvertretende ödp-Kreisvorsitzende Annedore Schmid)

Dabei wurde schnell deutlich, dass die Wirklichkeit in den Asylbewerberunterkünften nicht im Geringsten mit dem Bild übereinstimmt, das sich hartnäckig bei einem großen Teil der Bevölkerung in den Köpfen festgesetzt hat: dem Bild vom Leben in relativen Wohlstand auf Kosten der Steuerzahler. Das fängt nach Auskunft der beiden Mitstreiterinnen vom Arbeitskreis Asyl mit fast schon menschenunwürdigen Wohnverhältnissen in den Unterkünften im Fallenbrunnen an, wo sich bis zu acht Personen ein Zimmer teilen müssen und pro Kopf nur 4,5 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Die Sozialleistungen, welche Asylbewerber erhalten, liegen deutlich unter denen der Deutschen. Auch ihre medizinische Versorgung ist deutlich eingeschränkt: sie erhalten nur absolut lebensnotwendige Behandlungen und Medikamente erstattet. Dazu kommen fast schon willkürliche gesetzliche Auflagen wie zum Beispiel die so genannte Residenzpflicht, die es Asylbewerbern nur nach frühzeitig eingereichtem schriftlichen Antrag gegen eine Gebühr von 15 Euro erlaubt, die Grenzen des Landkreises für einen Besuch oder einen Tagesausflug zu verlassen, eine Regelung, welche besonders bei der ödp-Kreisvorsitzenden Sylvia Hiss auf völliges Unverständnis stieß. Hinzu kommt die völlige Unsicherheit über die eigene Zukunft, das Fehlen jeder Zukunftsperspektive.

In dieser schwierigen Situation sind die Flüchtlinge über jede Hilfe froh, die sie von den ausschließlich ehrenamtlich arbeitenden Mitgliedern des Arbeitskreis Asyl erhalten: Diese geben Alphabetisierungs- und Nähkurse, versorgen die Asylbewerber mit Hausrat und Kleidung, beraten sie in Asylfragen und geben Hilfe im Alltag. um nur einige Beispiele zu nennen. Auch Schweißkurse haben sie schon organisiert und beim Einrichten einer Fahrradreparaturwerkstatt für Jugendliche geholfen. Leider ist der Kreis der Aktiven im Arbeitskreis sehr klein, weshalb der Arbeitskreis dringend neue engagierte Mitglieder sucht. Diese erwartet, wie Gudrun Schmidt und Anne Kuypers übereinstimmend bezeugen, eine sinngebende Arbeit, die menschlich viel Gewinn bringt und ungemein Spaß macht, mit Menschen, welche die erfahrene Hilfe auf ihre Art vielfach zurückgeben.